EUDR 2026: Entwaldungsverordnung — Pflichten für die Lieferkette
EUDR: Die EU-Entwaldungsverordnung Im Praxischeck 2026
Die EU-Entwaldungsverordnung (EU 2023/1115, kurz EUDR) ist eines der anspruchsvollsten Handelsregulierungen, die die EU je verabschiedet hat. Ab 2026 gelten für Großunternehmen umfassende Sorgfaltspflichten. KMU haben sechs Monate längere Übergangsfrist. Was konkret zu tun ist.Was regelt die EUDR?
Die EUDR verbietet das Inverkehrbringen oder den Export bestimmter Rohstoffe und Erzeugnisse, die nach dem 31. Dezember 2020 auf entwaldetem oder walddegradierten Land erzeugt wurden. Sie gilt auch für aus diesen Rohstoffen hergestellte Produkte. Betroffene Rohstoffe:- Rind (und Rindfleischprodukte, Leder, Häute)
- Kakao (und Schokolade, Kakaopulver, Butter)
- Kaffee (und Röst- und Löslichkaffee)
- Soja (und Sojaöl, Tofu, Tierfutter mit Soja)
- Palmöl (und Palmkernöl, kosmetische Produkte, Biodiesel)
- Holz (und Holzkohle, Papier, Möbel, Druckerzeugnisse)
- Kautschuk (und Reifen, Gummiprodukte, bestimmte medizinische Geräte)
Die drei Kernpflichten der EUDR
1. Sorgfaltserklärung (Due Diligence Statement)
Vor dem Inverkehrbringen müssen Unternehmen eine Sorgfaltserklärung einreichen. Diese enthält:- Beschreibung der Ware (inkl. HS-Code, Menge, Herkunftsland)
- Geolokalisierungsdaten des Erzeugerlands (GPS-Koordinaten oder Polygone)
- Bewertung des Entwaldungsrisikos
- Hinweise auf Maßnahmen zur Risikominderung
2. Rückverfolgung bis zum Ursprungsland
Unternehmen müssen die Lieferkette bis zum Ursprungsland nachverfolgen können. Bei Rindfleisch bedeutet das: Welches Tier, welche Farm, welche Koordinaten? Bei Palmöl: Welche Ölpalmen-Plantage, welches Datum des letzten Waldzustands?In der Praxis bedeutet das: Zusammenarbeit mit Lieferanten, die Satellitendaten, Rückverfolgungszertifikate oder RFID-Systeme nutzen. Mehrere spezialisierte Softwareanbieter (TraceGains, FoodLogiQ, Sourcemap) bieten EUDR-konforme Tracing-Lösungen.
3. Risikobewertung und -minderung
Das EUDR-System teilt Länder in drei Risikokategorien ein:- Niedriges Risiko: kein oder vernachlässigbares Entwaldungsrisiko (vereinfachte Sorgfaltspflichten)
- Standardrisiko: normale Sorgfaltspflichten
- Hohes Risiko: erhöhte Sorgfaltspflichten, ggf. Stichprobenprüfungen
Zeitplan und Übergangsfristen 2026
- 31. Dezember 2025: Vollständige Geltung für Großunternehmen (> 250 Mitarbeiter oder > 50 Mio. € Umsatz)
- 30. Juni 2026: Vollständige Geltung für KMU (≤ 250 Mitarbeiter und ≤ 50 Mio. € Umsatz)
- Ausnahme: Kleinstunternehmen (< 10 Mitarbeiter, < 2 Mio. € Umsatz) mit reduzierter Sorgfaltspflicht
Sanktionen und Konsequenzen
Die EUDR sieht empfindliche Sanktionen vor:- Bußgelder von mindestens 4 % des EU-Jahresumsatzes
- Konfiszierung der betroffenen Erzeugnisse
- Ausschluss von öffentlichen Aufträgen
- Veröffentlichung der Verstöße (Naming & Shaming)
Praktische Umsetzung: Was Unternehmen Tun
- Warensortiment prüfen: Welche Produkte fallen unter den EUDR-Scope?
- Lieferantengespräche führen: Können Lieferanten Geolokalisierungsdaten und Ursprungsnachweise liefern?
- IT-System wählen: EUDR-konforme Tracing-Software implementieren (oder ERP-Integration)
- Sorgfaltserklärungen testen: Testeinreichungen im EU-IS vor dem Pflichttermin
- Verträge anpassen: EUDR-Compliance-Klauseln in Lieferantenverträge aufnehmen
FAQ: EUDR 2026
Welche Unternehmen sind von der EUDR betroffen? Alle Unternehmen, die unter die sieben Rohstoffe (Rind, Kakao, Kaffee, Soja, Palmöl, Holz, Kautschuk) fallende Waren in die EU einführen oder aus der EU ausführen. Großunternehmen ab 31.12.2025, KMU ab 30.06.2026. Was sind Geolokalisierungsdaten im EUDR-Kontext? GPS-Koordinaten oder Polygone, die das Erzeugergrundstück eindeutig identifizieren. Bei Betrieben < 4 Hektar reicht ein Punkt (Lat/Long). Bei größeren Flächen sind Polygone erforderlich. Lieferanten müssen diese Daten bereitstellen. Was ist bei Nicht-Compliance zu erwarten? Bußgelder mindestens 4% des EU-Jahresumsatzes, Konfiszierung der Waren, Ausschluss von EU-Vergabeverfahren. Erste Kontrollen durch nationale Behörden (BVL in Deutschland) für 2026-2027 angekündigt.Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Waren fallen unter die EUDR?
7 Rohstoffe: Rind, Kakao, Kaffee, Soja, Palmöl, Holz, Kautschuk — und daraus hergestellte Produkte. Erzeugt nach 31.12.2020 auf entwaldetem Land.
Ab wann gilt die EUDR für KMU?
Für KMU (≤250 MA, ≤50 Mio.€) gilt die EUDR ab 30. Juni 2026. Großunternehmen seit 31.12.2025.
Was sind die EUDR-Sorgfaltspflichten?
Sorgfaltserklärung einreichen, Lieferkette bis Ursprungsland rückverfolgen, Entwaldungsrisiko bewerten und mindern.