EUDR 2026: Entwaldungsverordnung — Pflichten für die Lieferkette
EUDR: Die EU-Entwaldungsverordnung Im Praxischeck 2026
Die EU-Entwaldungsverordnung (EU 2023/1115, kurz EUDR) ist eines der anspruchsvollsten Handelsregulierungen, die die EU je verabschiedet hat. Ab 30. Dezember 2026 gelten für große UND mittlere Unternehmen umfassende Sorgfaltspflichten. Kleinst- und Kleinunternehmen haben mit dem 30. Juni 2027 sechs Monate längere Übergangsfrist. Was konkret zu tun ist.Was regelt die EUDR?
Die EUDR verbietet das Inverkehrbringen oder den Export bestimmter Rohstoffe und Erzeugnisse, die nach dem 31. Dezember 2020 auf entwaldetem oder walddegradierten Land erzeugt wurden. Sie gilt auch für aus diesen Rohstoffen hergestellte Produkte. Betroffene Rohstoffe:- Rind (und Rindfleischprodukte; Leder und Häute wurden durch die Delegierte Verordnung (EU) 2026/2102 aus Anhang I gestrichen)
- Kakao (und Schokolade, Kakaopulver, Butter)
- Kaffee (Rohkaffee und Röstkaffee; löslicher Kaffee erst ab dem 30. Dezember 2027)
- Soja (und Sojaöl, Tofu, Tierfutter mit Soja)
- Palmöl (und Palmkernöl, kosmetische Produkte, Biodiesel)
- Holz (und Holzkohle, Papier, Möbel; Druckerzeugnisse wurden durch die Verordnung (EU) 2025/2650 aus Anhang I gestrichen)
- Kautschuk (und Reifen, Gummiprodukte, bestimmte medizinische Geräte)
Die drei Kernpflichten der EUDR
1. Sorgfaltserklärung (Due Diligence Statement)
Vor dem Inverkehrbringen müssen Unternehmen eine Sorgfaltserklärung einreichen. Diese enthält:- Beschreibung der Ware (inkl. HS-Code, Menge, Herkunftsland)
- Geolokalisierungsdaten des Erzeugerlands (GPS-Koordinaten oder Polygone)
- Bewertung des Entwaldungsrisikos
- Hinweise auf Maßnahmen zur Risikominderung
Die Sorgfaltserklärungen werden in einem EU-Informationssystem (IS) registriert, das mit Zollbehörden verknüpft ist.
2. Rückverfolgung bis zum Ursprungsland
Unternehmen müssen die Lieferkette bis zum Ursprungsland nachverfolgen können. Bei Rindfleisch bedeutet das: Welches Tier, welche Farm, welche Koordinaten? Bei Palmöl: Welche Ölpalmen-Plantage, welches Datum des letzten Waldzustands?In der Praxis bedeutet das: Zusammenarbeit mit Lieferanten, die Satellitendaten, Rückverfolgungszertifikate oder RFID-Systeme nutzen. Mehrere spezialisierte Softwareanbieter (TraceGains, FoodLogiQ, Sourcemap) bieten EUDR-konforme Tracing-Lösungen.
3. Risikobewertung und -minderung
Das EUDR-System teilt Länder in drei Risikokategorien ein:- Niedriges Risiko: kein oder vernachlässigbares Entwaldungsrisiko (vereinfachte Sorgfaltspflichten)
- Standardrisiko: normale Sorgfaltspflichten
- Hohes Risiko: erhöhte Sorgfaltspflichten, ggf. Stichprobenprüfungen
Zeitplan und Übergangsfristen
- 30. Dezember 2026: Vollständige Geltung für große UND mittlere Unternehmen (Unternehmen, die mindestens zwei der drei Grenzen für kleine Unternehmen überschreiten: 5 Mio. € Bilanzsumme, 10 Mio. € Nettoumsatz, 50 Beschäftigte)
- 30. Juni 2027: Vollständige Geltung für Kleinst- und Kleinunternehmen (höchstens 5 Mio. € Bilanzsumme, 10 Mio. € Nettoumsatz, 50 Beschäftigte; zwei von drei Grenzen; Art. 3 Richtlinie 2013/34/EU) sowie Einzelpersonen
- Ausnahme Holzprodukte: Erzeugnisse, die zuvor unter die EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) fielen, gelten unabhängig von der Unternehmensgröße bereits ab dem 30. Dezember 2026
Sanktionen und Konsequenzen
Die EUDR sieht empfindliche Sanktionen vor:- Bußgelder, deren Höchstbetrag nach Artikel 25 mindestens 4 % des unionsweiten Jahresumsatzes betragen muss
- Konfiszierung der betroffenen Erzeugnisse
- Ausschluss von öffentlichen Aufträgen
- Veröffentlichung der Verstöße (Naming & Shaming)
Praktische Umsetzung: Was Unternehmen Tun
- Warensortiment prüfen: Welche Produkte fallen unter den EUDR-Scope?
- Lieferantengespräche führen: Können Lieferanten Geolokalisierungsdaten und Ursprungsnachweise liefern?
- IT-System wählen: EUDR-konforme Tracing-Software implementieren (oder ERP-Integration)
- Sorgfaltserklärungen testen: Testeinreichungen im EU-IS vor dem Pflichttermin
- Verträge anpassen: EUDR-Compliance-Klauseln in Lieferantenverträge aufnehmen
FAQ: EUDR 2026
Welche Unternehmen sind von der EUDR betroffen? Alle Unternehmen, die unter die sieben Rohstoffe (Rind, Kakao, Kaffee, Soja, Palmöl, Holz, Kautschuk) fallende Waren in die EU einführen oder aus der EU ausführen. Große und mittlere Unternehmen ab 30.12.2026, Kleinst- und Kleinunternehmen ab 30.06.2027. Für Holzprodukte, die zuvor unter die EUTR fielen, gilt unabhängig von der Unternehmensgröße der 30.12.2026. Was sind Geolokalisierungsdaten im EUDR-Kontext? GPS-Koordinaten oder Polygone, die das Erzeugergrundstück eindeutig identifizieren. Bei Betrieben < 4 Hektar reicht ein Punkt (Lat/Long). Bei größeren Flächen sind Polygone erforderlich. Lieferanten müssen diese Daten bereitstellen. Was ist bei Nicht-Compliance zu erwarten? Bußgeldrahmen mit einem Höchstbetrag von mindestens 4 % des unionsweiten Jahresumsatzes, Konfiszierung der Waren, Ausschluss von EU-Vergabeverfahren. Erste Kontrollen durch nationale Behörden (in Deutschland die BLE) ab 2026 angekündigt.Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Waren fallen unter die EUDR?
7 Rohstoffe: Rind, Kakao, Kaffee, Soja, Palmöl, Holz, Kautschuk — und daraus hergestellte Produkte. Erzeugt nach 31.12.2020 auf entwaldetem Land.
Ab wann gilt die EUDR für KMU?
Kleinst- und Kleinunternehmen (höchstens 5 Mio. € Bilanzsumme, 10 Mio. € Nettoumsatz, 50 Beschäftigte; zwei von drei Grenzen; Art. 3 Richtlinie 2013/34/EU) müssen ab dem 30. Juni 2027 EUDR-konform sein. Mittlere Unternehmen (höchstens 25 Mio. € Bilanzsumme, 50 Mio. € Nettoumsatz, 250 Beschäftigte; zwei von drei Grenzen) fallen dagegen unter dieselbe Frist wie Großunternehmen: 30. Dezember 2026.
Was sind die EUDR-Sorgfaltspflichten?
Sorgfaltserklärung einreichen, Lieferkette bis Ursprungsland rückverfolgen, Entwaldungsrisiko bewerten und mindern.