Due Diligence

EUDR: Satellitenmonitoring für Entwaldungsprüfung

Veroeffentlicht: 2026-03-27 Lesezeit: 8 Min.
EUDR: Satellitenmonitoring für Entwaldungsprüfung
Schnellantwort: Unternehmen vergleichen per Satellit den Waldbestand einer Anbaufläche zum Stichtag 31. Dezember 2020 mit dem aktuellen Zustand. Zeigt die Analyse keinen Waldverlust, gilt die Fläche als EUDR-konform — vorausgesetzt, die GPS-Koordinaten sind präzise und die Datenlage lässt eine eindeutige Bewertung zu.

Augen im All: Warum Satellitenmonitoring für die EUDR unverzichtbar ist

Die EU-Entwaldungsverordnung (VO 2023/1115) verpflichtet Marktteilnehmer und Händler, nachzuweisen, dass ihre Rohstoffe auf keiner nach dem 31. Dezember 2020 entwäldeten Fläche angebaut wurden. Zertifizierungen allein genügen dafür nicht — die Verordnung verlangt eine geografisch verankerte, nachvollziehbare Prüfung. EUDR Satellitenmonitoring ist dabei das leistungsfähigste Instrument, das Unternehmen derzeit zur Verfügung steht.

Der entscheidende Vorteil gegenüber Selbsterklärungen von Lieferanten: Satellitendaten sind unabhängig, flächendeckend und zeitlich datiert. Ein Bild vom Copernicus-Sentinel-2-Satelliten vom Januar 2020 und eines vom März 2026 zeigen objektiv, ob auf einer Koordinate Waldbestand verloren gegangen ist. Das schafft eine dokumentierbare Evidenzkette — genau das, was Aufsichtsbehörden im Rahmen der Risikobewertung Lieferant sehen wollen.

Wie EUDR Satellitenmonitoring technisch funktioniert

Der Prozess läuft in vier Schritten ab:

  1. Geolokalisierung der Anbaufläche: Grundlage ist ein Polygon oder zumindest ein Punktkoordinatensatz für jede Parzelle — laut Artikel 9 VO 2023/1115 eine Pflichtangabe in der Sorgfaltspflichterklärung. Wie Sie diese Daten erheben, erklärt unser Guide zur Geolokalisierung.
  2. Referenzdaten-Abgleich: Die Koordinaten werden mit Walddaten-Archiven verglichen. Die EU nutzt dafür das EU Observatory on Deforestation and Forest Degradation (EUFO), das auf Copernicus-Daten basiert und als offizielle Referenzschicht gilt.
  3. Algorithmenbasierte Verlusterkennung: Spezialierte Algorithmen wie der Hansen Global Forest Change-Datensatz (University of Maryland / WRI) berechnen, ob zwischen 2000 und heute Baumbedeckung über 5 m Höhe verloren gegangen ist. Für die EUDR relevant ist der Zeitraum ab 31. 12. 2020.
  4. Verifikation bei Verdacht: Zeigt die Analyse einen möglichen Waldverlust, folgt die Auswertung hochauflösender Bilder (kommerziell: Planet Labs, Airbus) oder die Rückfrage beim Lieferanten mit Georeferenzierung.

Tools im Vergleich: Was für die EUDR-Compliance taugt

Die verfügbaren Werkzeuge unterscheiden sich erheblich in Auflösung, Aktualität und Kosten. Die folgende Tabelle hilft bei der Auswahl:

Tool / Plattform Anbieter Auflösung Kosten EUDR-Eignung
Global Forest Watch (GFW) WRI (World Resources Institute) 30 m (Hansen-Datensatz) Kostenlos Erstanalyse, Risikofilterung
Copernicus / Sentinel-2 ESA / EU-Kommission 10 m, alle 5 Tage Kostenlos Regelmäßige Überwachung, Referenzschicht
EU Deforestation Observatory (EUFO) EU-Kommission / JRC 10 m Kostenlos Offizielle Referenz; direkte EUDR-Relevanz
Planet Labs (PlanetScope) Planet Labs PBC 3 m, täglich Kostenpflichtig (Abo) Hochrisiko-Lieferanten, Wolkenschnitt
Airbus OneAtlas Airbus Defence & Space 0,5 m (Pléiades) Kostenpflichtig (pro Bild) Einzelnachweis bei strittigen Flächen
MapBiomas NGO-Konsortium (Brasilien) 30 m, jährlich Kostenlos Brasilien, Bolivien, Kolumbien
PRODES / INPE Brasilianisches Weltraumforschungsinstitut 20–250 m Kostenlos Amtliche Amazonas-Datenquelle

Praktische Empfehlung: Für den Einstieg kombinieren die meisten Compliance-Teams Global Forest Watch für die Flächenfilterung mit Copernicus Sentinel-2 für die laufende Überwachung. Beide sind kostenlos und decken alle relevanten Ursprungsregionen ab. Zusätzliche kommerzielle Bilder werden nur für Hochrisiko-Fälle beschafft.

Grenzen des Satellitenmonitorings — und wie man sie überbrückt

EUDR Satellitenmonitoring ist mächtig, aber nicht fehlerfrei. Vier strukturelle Grenzen sollten Compliance-Verantwortliche kennen:

Integration in die Due-Diligence-Erklärung (DDS)

Satellitendaten allein genügen nicht — sie müssen dokumentiert und in die formelle EUDR-Sorgfaltspflichterklärung eingebettet werden. Das bedeutet konkret:

Für eine vollständige Übersicht des Sorgfaltspflichtsystems empfehlen wir den EUDR-Leitfaden für Unternehmen sowie die Checkliste zur Risikobewertung Lieferant.

Häufig gestellte Fragen zum EUDR Satellitenmonitoring

Warum reichen Zertifizierungen allein für den EUDR-Nachweis nicht aus?

Zertifizierungen wie RSPO, FSC oder Rainforest Alliance prüfen Nachhaltigkeitsstandards, aber keine parzellengenaue Entwäldungsfreiheit ab dem Stichtag 31. 12. 2020. Die VO 2023/1115 fordert in Artikel 9 ausdrücklich geografische Koordinaten und eine belegbare Risikoanalyse pro Fläche — das leisten Zertifizierungssiegel strukturell nicht.

Wie genau muss das Satellitenbild für die EUDR sein?

Die Verordnung nennt keine Mindestauflösung, erwartet aber eine „angemessene“ Prüfung. In der Praxis gilt: Für Flächen über 4 ha reichen 10 m (Sentinel-2). Darunter — besonders bei kleinbäuerlichen Strukturen — sollte man auf kommerzielle Anbieter mit 3 m oder weniger zurückgreifen, um Fehlklassifikationen zu vermeiden.

Was ist Global Forest Watch und ist es EUDR-tauglich?

Global Forest Watch (GFW) ist eine kostenlose Plattform des World Resources Institute (WRI), die auf dem Hansen Global Forest Change-Datensatz der University of Maryland basiert. Sie zeigt jährlichen Waldverlust ab 2001 auf 30 m-Basis und ist für die EUDR-Erstanalyse geeignet. Für den abschließenden Compliance-Nachweis sollte sie durch aktuellere Copernicus-Daten oder das offizielle EUFO-Tool der EU-Kommission ergänzt werden.

Was tun, wenn Satellitenbilder wegen Wolkenbedeckung unbrauchbar sind?

Erstens: Auf Radar-SAR-Daten (Sentinel-1 der ESA) ausweichen — Radarwellen durchdringen Wolkendecken. Zweitens: Zeitreihen ausweiten und auf wolkenfreie Aufnahmen aus dem nächsten verfügbaren Zeitfenster zurückgreifen. Drittens: Zusätzliche Vor-Ort-Dokumente (amtliche Katasternachweise, INPE-Daten) als Beleg nutzen und die Einschränkung transparent in der DDS dokumentieren.

Kann ein kleines Unternehmen Satellitenmonitoring selbst durchführen?

Für einfache Fälle: ja. Global Forest Watch und das EUFO-Tool der EU-Kommission sind kostenlos, browser-basiert und ohne GIS-Kenntnisse bedienbar. Wer viele Lieferanten oder komplexe Lieferketten hat, sollte spezialisierte Dienstleister wie Satelligence, Agri-Trace oder Trase einbinden — diese bieten automatisierte EUDR-Flächenprüfungen als SaaS-Lösung an.

Wie integriert man Satellitendaten in eine Due-Diligence-Erklärung (DDS)?

Die Analyse muss als nachprüfbarer Beleg archiviert werden: exportierter Screenshot mit Koordinaten, Analysedatum und Tool-Angabe. In der DDS wird vermerkt, welches Instrument genutzt wurde, welches Ergebnis es lieferte und ob weiterer Klärungsbedarf bestand. Die BLE empfiehlt, diese Dokumentation mindestens fünf Jahre aufzubewahren.

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum reichen Zertifizierungen allein für den EUDR-Nachweis nicht aus?

Zertifizierungen wie RSPO, FSC oder Rainforest Alliance prüfen Nachhaltigkeitsstandards, aber keine parzellengenaue Entwäldungsfreiheit ab dem Stichtag 31. 12. 2020. Die VO 2023/1115 fordert in Artikel 9 ausdrücklich geografische Koordinaten und eine belegbare Risikoanalyse pro Fläche — das leisten Zertifizierungssiegel strukturell nicht.

Wie genau muss das Satellitenbild für die EUDR sein?

Die Verordnung nennt keine Mindestauflösung, erwartet aber eine „angemessene“ Prüfung. Für Flächen über 4 ha reichen 10 m (Sentinel-2). Darunter — besonders bei kleinbäuerlichen Strukturen — sollte man auf kommerzielle Anbieter mit 3 m oder weniger zurückgreifen, um Fehlklassifikationen zu vermeiden.

Was ist Global Forest Watch und ist es EUDR-tauglich?

Global Forest Watch (GFW) ist eine kostenlose Plattform des World Resources Institute (WRI), die auf dem Hansen Global Forest Change-Datensatz der University of Maryland basiert. Sie zeigt jährlichen Waldverlust ab 2001 auf 30 m-Basis und ist für die EUDR-Erstanalyse geeignet. Für den abschließenden Compliance-Nachweis sollte sie durch aktuellere Copernicus-Daten oder das offizielle EUFO-Tool ergänzt werden.

Was tun, wenn Satellitenbilder wegen Wolkenbedeckung unbrauchbar sind?

Erstens: Auf Radar-SAR-Daten (Sentinel-1 der ESA) ausweichen — Radarwellen durchdringen Wolkendecken. Zweitens: Zeitreihen ausweiten und auf wolkenfreie Aufnahmen aus dem nächsten verfügbaren Zeitfenster zurückgreifen. Drittens: Zusätzliche amtliche Katasternachweise als Beleg nutzen und die Einschränkung transparent in der DDS dokumentieren.

Kann ein kleines Unternehmen Satellitenmonitoring selbst durchführen?

Für einfache Fälle ja. Global Forest Watch und das EUFO-Tool der EU-Kommission sind kostenlos, browser-basiert und ohne GIS-Kenntnisse bedienbar. Wer viele Lieferanten hat, sollte spezialisierte Dienstleister wie Satelligence oder Agri-Trace einbinden, die automatisierte EUDR-Flächenprüfungen als SaaS-Lösung anbieten.

Wie integriert man Satellitendaten in eine Due-Diligence-Erklärung (DDS)?

Die Analyse muss als nachprüfbarer Beleg archiviert werden: exportierter Screenshot mit Koordinaten, Analysedatum und Tool-Angabe. In der DDS wird vermerkt, welches Instrument genutzt wurde, welches Ergebnis es lieferte und ob weiterer Klärungsbedarf bestand. Die BLE empfiehlt, diese Dokumentation mindestens fünf Jahre aufzubewahren.