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EUDR Compliance Software im Vergleich 2026: Die besten Tools für Importeure

Veroeffentlicht: 26.06.2026 Lesezeit: 10 Min.
EUDR Compliance Software im Vergleich 2026: Die besten Tools für Importeure

EUDR Compliance Software: Was Importeure jetzt brauchen

Ab dem 30. Dezember 2026 dürfen bestimmte Rohstoffe und Erzeugnisse — darunter Kakao, Kaffee, Palmöl, Soja, Holz, Rinder und Kautschuk — nur noch dann auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht oder von dort ausgeführt werden, wenn der Marktteilnehmer eine gültige Sorgfaltspflichtserklärung (Due Diligence Statement, kurz DDS) vorweisen kann. Wer als Importeur oder Händler keine verlässliche digitale Infrastruktur aufgebaut hat, riskiert empfindliche Bußgelder und Lieferstopps.

Kurzantwort: Was ist EUDR Compliance Software?
EUDR Compliance Software unterstützt Importeure dabei, die Anforderungen der Verordnung (EU) 2023/1115 zu erfüllen: Sie sammelt Geolokalisierungsdaten auf Grundstücksebene, bewertet Entwaldungsrisiken per Satellit, generiert automatisch die vorgeschriebene DDS und übermittelt diese ans EU-TRACES-System. Ohne eine solche Lösung ist eine konforme Abwicklung bei mehr als einigen Dutzend Lieferanten kaum skalierbar.

Die Anforderungen der EUDR — insbesondere Artikel 9 der Verordnung (EU) 2023/1115 — verlangen präzise geografische Koordinaten mit mindestens sechs Dezimalstellen für jedes Erzeugergrundstück, eine nachweisbare Risikoabschätzung sowie eine fünfjährige Aufbewahrungspflicht für alle Nachweise. Software-Tools nehmen diesen Prozess nicht ab, aber sie machen ihn erst beherrschbar. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern welches Tool.

Auswahlkriterien: Worauf es wirklich ankommt

Bevor man Angebote einholt, lohnt eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Lieferkette. Wie viele Lieferanten hat man? In wie vielen Ursprungsländern wird eingekauft? Welche Rohstoffe sind betroffen? Gibt es bereits ein ERP-System, das angebunden werden soll? Wer diese Fragen beantwortet hat, kann Anbieter gezielter vergleichen.

Fünf Kriterien sind dabei besonders entscheidend:

  1. Geolokalisierung auf Grundstücksebene: Erfasst das Tool GPS-Koordinaten im geforderten Format (Polygon oder Punkt mit ≥6 Dezimalstellen gemäß Art. 9 EUDR)? Kann es Daten von Lieferanten über strukturierte Formulare einsammeln?
  2. Entwaldungsrisikoanalyse: Wie aktuell sind die Satellitendaten? Wird das Referenzdatum 31. Dezember 2020 korrekt berücksichtigt? Werden Radar- und optische Bilder kombiniert?
  3. DDS-Generierung und TRACES-Anbindung: Kann das System die DDS automatisiert erstellen und direkt ins EU Due Diligence Registry einreichen? Werden die 25-MB-Grenzen des TRACES-Systems beachtet?
  4. ERP- und Systemintegration: Lässt sich das Tool an SAP, Microsoft Dynamics oder andere Warenwirtschaftssysteme anbinden, um manuelle Doppeleingaben zu vermeiden?
  5. KMU-Tauglichkeit: Gibt es skalierbare Preisstaffeln oder Einstiegspakete für Unternehmen mit geringem Volumen? Ist der Onboarding-Aufwand zumutbar ohne ein eigenes Compliance-Team?

Darüber hinaus spielen Datenschutz (DSGVO, Serverstandort), Auditfähigkeit der erzeugten Dokumentation und der konkrete Support in der kritischen Anlaufphase eine wichtige Rolle. Ein weiterer Faktor, der oft unterschätzt wird: die Qualität der Geolokalisierungsdaten entscheidet über die Belastbarkeit der gesamten DDS — schlechte Eingangsdaten können ein gutes Tool nicht retten.

Vergleichstabelle: EUDR Compliance Software 2026

Die folgende Übersicht basiert auf öffentlich verfügbaren Informationen sowie den Angaben der jeweiligen Anbieter (Stand: Juni 2026). Preise werden von keinem der verglichenen Anbieter öffentlich kommuniziert; alle Preisangaben erfolgen auf Anfrage.

Anbieter Geolokalisierung DDS-Generierung TRACES-Integration ERP-Anbindung KMU-Paket Schwerpunkt
Sourcemap SAP, Salesforce bedingt End-to-End-Automatisierung, Großunternehmen
Satelligence API ✓ (Standard) Satellitenmonitoring, Kakao, Palmöl
osapiens SAP, ERP ✓ (KMU-Lizenz) Deutsche Unternehmen, Rechtskonformität
Meridia Verify bedingt* via ICE CoT k.A. k.A. Risikoanalyse, alle EUDR-Rohstoffe
Rainforest Alliance (RACP) bedingt** via MultiTrace ✓ (zertifizierte Kette) Kakao, Kaffee, zertifizierte Lieferketten

Meridia bereitet Daten für die DDS vor; Einreichung erfolgt über Drittplattformen wie ICE CoT. * RACP liefert EUDR-relevante Geodaten und Risikoeinschätzungen; separate DDS-Einreichung erforderlich. Alle Preise: auf Anfrage.

Anbieterprofile: Was steckt wirklich dahinter?

Sourcemap

Sourcemap (sourcemap.io) ist eine US-amerikanische Plattform für Lieferkettentransparenz, die sich in den letzten Jahren konsequent auf regulatorische Automatisierung spezialisiert hat. Für EUDR bietet Sourcemap eine vollintegrierte Lösung: von der Lieferantenerfassung über die Satellitenauswertung bis zur automatisierten Einreichung der DDS im EU-TRACES-System. Das Unternehmen gibt an, über 250 Marken und mehr als 5,5 Millionen kartierte Lieferanten zu betreuen. Besonders hervorzuheben: Die bestätigte SAP-Integration sowie die Anbindung an Salesforce Net Zero Cloud machen Sourcemap zur ersten Wahl für Großunternehmen mit bestehender ERP-Infrastruktur. Für kleine Importeure dürfte der Ressourceneinsatz beim Onboarding hingegen unverhältnismäßig hoch sein. Laut Anbieterangaben ist die Plattform ISO-27001-zertifiziert.

Satelligence

Satelligence (satelligence.com) kommt aus den Niederlanden und verfolgt einen wissenschaftlich fundierten Ansatz: Die Plattform kombiniert Radar- und Optik-Satellitendaten (Sentinel-1, Sentinel-2, Landsat) und unterscheidet dabei zwischen dauerhafter Entwaldung und temporären Kronenveränderungen — ein kritischer Unterschied bei Rohstoffen wie Kautschuk, bei dem saisonale Laubwechsel zu Fehlalarmen führen können. Satelligence übermittelt DDS direkt ans EU Due Diligence Registry und stellt sicher, dass Datenpakete innerhalb der 25-MB-Grenze des TRACES-Systems bleiben. Mit drei Preisstufen (Standard, Premium, Enterprise) ist der Anbieter einer der wenigen, der explizit auf KMU-geeignete Einstiegspakete hinweist — konkrete Preise werden jedoch nur auf Anfrage kommuniziert.

osapiens

osapiens ist der einzige Anbieter im Vergleich mit starker Verankerung im deutschsprachigen Markt — Hauptsitz Mannheim, juristische Validierung durch die renommierte Kanzlei Graf von Westphalen. Der osapiens HUB für EUDR deckt den gesamten Compliance-Workflow ab: Lieferantendatensammlung, automatisierte Risikoanalyse, TRACES-Reporting und Downstream-DDS-Weitergabe an Kunden. Für KMU bietet osapiens eine spezielle Lizenz an, die laut Anbieterangaben den vollständigen EUDR-Prozess kosteneffizient umsetzt. Die enge SAP-Integration macht den Hub besonders attraktiv für mittelständische deutsche Industrieunternehmen. Wer Wert auf rechtssichere Dokumentation nach deutschem Recht und lokalen Support legt, findet bei osapiens eine solide Basis. Mehr dazu im übergeordneten Artikel zur EUDR Compliance Software.

Meridia Verify

Meridia (meridia.land) ist ursprünglich im Bereich Felddatenerhebung in Entwicklungsländern tätig und hat mit „Verify" ein Produkt speziell für die EUDR-Risikoprüfung entwickelt. Das Tool führt laut Anbieterangaben über 50 Verifikationschecks durch — zu Datenqualität, Legalität, Rückverfolgbarkeit und Entwaldungsrisiko — und deckt alle sieben EUDR-Rohstoffe ab. Die DDS-Einreichung erfolgt nicht direkt über Meridia, sondern über Drittplattformen wie die ICE Commodity Traceability Service (ICE CoT). Meridia eignet sich daher eher als ergänzendes Prüfinstrument innerhalb eines größeren Compliance-Setups als als All-in-One-Lösung.

Rainforest Alliance (RACP / MultiTrace)

Die Rainforest Alliance bietet kein eigenständiges EUDR-Compliance-Tool im klassischen Sinne, sondern integriert EUDR-Anforderungen in ihre bestehende Zertifizierungsinfrastruktur. Wer Kakao oder Kaffee über zertifizierte Rainforest-Alliance-Lieferketten (Identity Preserved oder Mixed Identity Preserved) bezieht, kann über das Rainforest Alliance Certification Platform (RACP) auf GPS-Polygone und Entwaldungsrisikodaten zugreifen, die für die EUDR-Sorgfaltspflicht verwertbar sind. Die Rückverfolgung erfolgt über MultiTrace. Für Unternehmen, die bereits mit RA-zertifizierten Lieferanten arbeiten, kann dies ein kosteneffizienter Einstieg sein — für Multi-Commodity-Importeure oder für Rohstoffe außerhalb des RA-Portfolios reicht es jedoch nicht aus.

Welches Tool passt zu welchem Unternehmenstyp?

Die Wahl der richtigen Software hängt weniger vom Marktführer ab als von der eigenen Lieferkettenstruktur. Drei typische Profile helfen bei der Orientierung:

Großunternehmen mit SAP-Infrastruktur

Wer bereits in SAP oder Salesforce investiert hat und tausende Lieferanten managt, profitiert am meisten von einer tiefen ERP-Integration. Sourcemap und osapiens bieten hier die ausgereiftesten Anbindungen. Sourcemap punktet mit vollautomatischer DDS-Einreichung bei sehr hohem Volumen; osapiens mit rechtssicherer Dokumentation und lokalem deutschsprachigem Support. Die Sorgfaltspflichten gemäß Artikel 8 und 9 EUDR sind bei beiden Anbietern vollständig abgedeckt.

KMU und mittelständische Importeure

Für Unternehmen mit unter 250 Mitarbeitern gelten laut der geänderten Fristen verlängerte Umsetzungsfristen bis zum 30. Juni 2027. Das bedeutet aber nicht, dass man abwarten sollte — Lieferantendaten lassen sich nicht über Nacht erheben. Satelligence (Standard-Paket) und osapiens (KMU-Lizenz) bieten explizit auf kleinere Volumina ausgerichtete Einstiegsoptionen. Entscheidend ist, ob ein eigenes Compliance-Team vorhanden ist oder ob man stark auf automatisierte Prozesse und definierten Support angewiesen ist. Lesen Sie dazu auch unseren allgemeinen EUDR-Leitfaden für erste Schritte.

Direktimporteure mit engem Rohstoffspektrum

Wer ausschließlich Rainforest-Alliance-zertifizierten Kaffee oder Kakao importiert und bereits in der RA-Zertifizierungsinfrastruktur verankert ist, kann mit dem RACP / MultiTrace-System einen kostengünstigen Einstieg wählen. Für alle anderen — insbesondere für Holzimporteure oder Unternehmen mit Mischportfolios — ist ein spezialisiertes Tool unumgänglich. Der Abgleich mit dem EU-IT-Informationssystem ist dabei in jedem Fall erforderlich.

Rohstoffhändler mit hohem Entwaldungsrisiko

Unternehmen, die in Hochrisikoländern wie Brasilien, Indonesien oder der Demokratischen Republik Kongo einkaufen, brauchen robuste Satelliten-Überwachung. Satelligence und Meridia Verify sind hier besonders stark — ersteres durch die technische Tiefe der Fernerkundung, letzteres durch die Kombination aus Felddaten und wissenschaftlicher Validierungsmethodik. Beide können als Ergänzung zu einem übergeordneten ERP-integrierten Tool eingesetzt werden.

Was kein Tool löst

Auch das beste EUDR-Tool ersetzt nicht die grundlegende Lieferanten-Governance. Wenn Lieferanten ihre Grundstückskoordinaten nicht kennen oder nicht bereitstellen wollen, scheitert jede Softwarelösung an dieser Stelle. Der eigentliche Engpass liegt oft im Supplier-Onboarding — also darin, strukturierte Geodaten von Tausenden von Kleinbauern zu erheben, die möglicherweise noch nie GPS-Koordinaten dokumentiert haben. Wie diese Anforderungen in der Praxis aussehen, erläutert unser Artikel zu den EUDR-Geolokalisierungsanforderungen ausführlich.

Wer sich mit den konkreten Pflichten nach Artikel 8 auseinandersetzt, findet in unserem Überblick zu den EUDR-Sorgfaltspflichten eine strukturierte Hilfestellung. Und wer verstehen will, wie das europäische IT-Informationssystem in die Compliance-Abläufe eingebettet ist, sollte den Artikel zum EUDR-IT-Informationssystem lesen, bevor er Angebote bei Software-Anbietern einholt.

Nächster Schritt: Eine vollständige Übersicht der verfügbaren EUDR-Compliance-Software — inklusive weiterer Anbieter für Holzprodukte und branchenspezifischer Nischenlösungen — finden Sie in unserem Hauptartikel: EUDR Compliance Software: Der vollständige Leitfaden für Importeure 2026.

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Ab wann ist EUDR Compliance Software verpflichtend?

Ab dem 30. Dezember 2026 müssen große und mittelgroße Unternehmen für alle betroffenen Rohstoffe eine gültige Due Diligence Statement (DDS) vorweisen können. Für kleine und Kleinstunternehmen gilt die verlängerte Frist bis zum 30. Juni 2027.

Was muss eine EUDR Software mindestens können?

Gemäß Artikel 9 der Verordnung (EU) 2023/1115 muss eine konforme Lösung Geolokalisierungsdaten mit mindestens sechs Dezimalstellen erfassen, eine nachweisbare Entwaldungsrisikoanalyse mit Referenzdatum 31. Dezember 2020 durchführen, die DDS generieren und im EU Due Diligence Registry einreichen sowie alle Nachweise mindestens fünf Jahre aufbewahren.

Gibt es EUDR Software speziell für KMU?

Ja. Sowohl osapiens (KMU-Lizenz) als auch Satelligence (Standard-Paket mit drei Preisstufen) bieten explizite Einstiegslösungen für kleinere Unternehmen.

Kann man EUDR Software an SAP anbinden?

Sourcemap und osapiens bieten beide bestätigte SAP-Integrationen. Satelligence stellt eine offene API bereit für individuelle ERP-Integration.

Wie hoch sind die Kosten für EUDR Compliance Software?

Keiner der verglichenen Anbieter kommuniziert öffentlich Listenpreise. Alle fünf Anbieter arbeiten auf Anfrage-Basis.

Was ist der Unterschied zwischen DDS-Generierung und TRACES-Einreichung?

Die DDS ist das strukturierte Dokument; TRACES NT ist die EU-Plattform für die Einreichung. Nicht alle Tools decken beide Schritte direkt ab.

Welche Rohstoffe decken EUDR Compliance Tools typischerweise ab?

Die sieben EUDR-Rohstoffgruppen: Rinder, Kakao, Kaffee, Palmöl, Soja, Holz und Kautschuk. Meridia und Sourcemap sind rohstoffagnostisch; Satelligence ist stark bei Kakao und Palmöl.